Indira Priyadarshini Gandhi wurde am 19. November 1917 als Tochter von Jawaharlal und Kamala Nehru in den gebirgigen Höhen der Kaschmir-Region Indiens geboren. Sie wuchs in einem sehr politisch geprägten Elternhaus auf. Ihr Vater Jawaharlal war der erste indische Premierminister und widersetzte sich der britischen Kolonialmacht. Obwohl die Familie Nehru in Wohlstand lebte, war Indiras Kindheit von vielen polizeilichen Hausuntersuchungen und Verhaftungen geprägt. Sehr früh verstarb ihre Mutter an Tuberkulose.

Nach ihrem Schulabschluss in Indien besuchte sie das College im englischen Oxford und studierte dort Geschichte. Im April 1942 kehrte sie nach Indien zurück, wo ihr Vater in der Zwischenzeit zum Präsidenten der Kongresspartei ernannt wurde und zusammen mit Mahatma Gandhi die Spitze der indischen Unabhängigkeitsbewegung bildete. 

Im Jahr 1942 heiratete Indira den jungen Nationalisten und Familienfreund Feroze Gandhi, der trotz Namensgleichheit keine Verwandtschaft mit Mahatma Gandhi hatte. Sie bekamen zwei Söhne, Rajiv (geb. 1944) und Sanjay (geb. 1946). Durch das politische Engagement Indiras lebten sie meist getrennt voneinander. 1959 erkrankte Feroze Gandhi und verstarb ein Jahr später. Durch den Tod ihres Ehegatten erlitt Indira lange Zeit Depressionen und hatte mit Schuldgefühlen zu kämpfen, da sie lange Zeit getrennt von ihrem Ehemann lebte. Obwohl sie ihr politisches Leben aufgeben wollte, sah sie -besonders nach dem Tod ihres Vaters 1964- darin einen Ausweg aus ihrem psychischen Tiefpunkt.

So wurde sie wenige Wochen nach dem Tod ihres Vaters zur Ministerin im Kabinett des Premierministers Lal Bahadur Shastri gewählt. Ihren Karrierehöhepunkt erreichte sie am 18. Januar 1966, als sie als erste Frau zur Fraktionsvorsitzenden der Kongresspartei gewählt wurde.

Als Ministerpräsidentin setzte sich Indira gegen die britische Kolonialherrschaft und die Teilung des Subkontinents ein. Gleichzeitig kämpfte sie für die Unabhängigkeit Indiens 1947 und zog beteiligte sich an den Kriegen um Kaschmir mit Pakistan und den Grenzkrieg mit China. Unter Berufung auf separatistische Tendenzen und als Reaktion auf einen Aufruf zur Revolution leitete Gandhi von 1975 bis 1977 den Ausnahmezustand ein, in dem grundlegende bürgerliche Freiheiten ausgesetzt und die Presse zensiert wurden. Während des Notfalls wurden weit verbreitete Gräueltaten durchgeführt. 1980 kehrte sie nach freien und fairen Wahlen an die Macht zurück. 

Nachdem Gandhi in der Operation Blue Star eine Militäraktion im Goldenen Tempel angeordnet hatte, ermordeten ihre eigenen Leibwächter und Sikh-Nationalisten sie am 31. Oktober 1984. Auch wenn die Politik, die Indira verfolgte teilweise noch heute umstritten ist, wurde sie dieses Jahr von der Time Magazine unter den 100 mächtigen Frauen der Welt genannt, die das letzte Jahrhundert definiert haben. Sie war die erste und bislang einzige indische Premierministerin und zählt somit zu den zentralen Figuren des indischen Nationalkongresses. Mit einer Amtszeit von etwa 25 Jahren geht sie nach ihrem Vater als die zweitälteste indische Premierministerin in die Geschichte ein.

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